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Wir alle kennen es: der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, der uns sofort ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt, oder ein Geruch aus unserer Kindheit, der unerwartet nostalgische Erinnerungen hervorruft. Düfte haben die besondere Fähigkeit, unsere Emotionen zu beeinflussen. Wissenschaftler haben jedoch entdeckt, dass Düfte nicht nur flüchtige Emotionen beeinflussen, sondern auch tiefgreifende Veränderungen in unseren Gehirnfunktionen bewirken können.
Vom Abbau von Stress bis hin zur Verbesserung von Konzentration und Schlaf – Düfte haben eine direkte Verbindung zu unserem Gehirn. Genau dieser direkte Zugang zu unserem Geist macht die Aromatherapie so wirkungsvoll.
Die Aromatherapie, auch als Dufttherapie bekannt, verwendet ätherische Öle wie Lavendel, Pfefferminze oder Rosmarin, um sowohl den Körper als auch den Geist zu beeinflussen. Obwohl das Konzept jahrtausendealt ist – denken Sie an die alten Ägypter, die duftende Öle in ihren Ritualen verwendeten – hat die moderne Wissenschaft dieser Praxis eine neue Bedeutung verliehen. Dr. Rachel Herz, Neurowissenschaftlerin und Autorin von "The Scent of Desire", erklärt:
"Düfte sind der einzige sensorische Reiz, der direkt zum limbischen System gelangt, dem Teil des Gehirns, der Emotionen und Erinnerungen steuert. Das macht Düfte einzigartig und kraftvoll."
Alles beginnt mit dem Riechnerv (Nervus olfactorius), der direkt mit dem limbischen System verbunden ist – der emotionalen Autobahn des Gehirns. Dieses System umfasst wichtige Bereiche wie die Amygdala (die Angst und Stress reguliert) und den Hippocampus (essentiell für Gedächtnis und Lernen). Kein anderes Sinnesorgan hat eine so direkte Verbindung zu diesen Teilen des Gehirns.
Das limbische System speichert Düfte und Erinnerungen ab. Das erklärt, warum ein Duft wie frisch gebackenes Brot Sie sofort in Ihre Kindheit zurückversetzen kann.
Wenn Sie einen Duft wie Lavendel einatmen, löst dies bestimmte biochemische Reaktionen aus. Lavendel ist beispielsweise dafür bekannt, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) zu stimulieren, einen Neurotransmitter, der Angst unterdrückt. Eine Studie, die 2018 in Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlicht wurde, zeigte, dass die Inhalation von Lavendelöl die Angst um 25% reduzieren kann.
Die Aromatherapie hat ein breites Anwendungsspektrum, von der alltäglichen Nutzung bis hin zu klinischen Settings:
Viele Menschen leiden nach einer Covid-Infektion unter anhaltendem Geruchsverlust. Geruchstraining mit ätherischen Ölen wie Zitrone, Eukalyptus, Nelke und Rose hilft dem Gehirn, Düfte neu zu erkennen. Studien zeigen, dass Geruchstraining zu einer schnelleren und vollständigen Erholung beitragen kann.
Ätherische Öle wie Ylang-Ylang und Lavendel werden häufig zur Verringerung von Angst und Stress eingesetzt. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Aromatherapie die Stresslevel von Pflegekräften während ihrer Schicht um 40% senken kann.
Menschen mit Schlaflosigkeit schwören auf Lavendel. Eine bemerkenswerte Studie mit 79 Studenten zeigte, dass 60% von ihnen nach der Verwendung von Lavendelöl schneller einschliefen und tiefer schliefen.
Rosmarin ist besonders beliebt bei Studenten, die für Prüfungen lernen. Eine britische Studie zeigte, dass Rosmarinduft die kognitiven Fähigkeiten insgesamt um 10–15% steigern kann.
Pfefferminzöl wird häufig zur Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen eingesetzt. Pfefferminzöl kann, wenn es auf die Schläfen aufgetragen wird, Kopfschmerzbeschwerden um 30–50% reduzieren.
Zitrusdüfte wie Orange und Zitrone können depressive Symptome lindern. Eine klinische Studie zeigte eine 20%ige Verbesserung der Stimmung bei Patienten, die Zitrusdüfte einatmeten. Diese Düfte fördern die Produktion von Serotonin, dem Glückshormon, und reduzieren das Stresshormon Cortisol.
Die Wissenschaft hinter der Aromatherapie ist ebenso faszinierend wie überraschend. Düfte haben nicht nur die Fähigkeit, unsere Sinneserfahrungen zu bereichern, sondern auch tiefgreifende, positive und unerwartete Wirkungen auf unser Gehirn und unsere allgemeine Gesundheit. Von der Stressreduktion bis zur Gedächtnisverbesserung und vom Wiedererlangen des Geruchssinns nach Covid bis zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens – Düfte sind ein kraftvolles und vielseitiges Instrument.
3. Herz, R. S. (2007). The Scent of Desire.